heavy traffic
Das Aufräumen und Bereitmachen des Campers funktionieren nun nach bald zwei Wochen unterwegs reibungslos. Am Anfang unserer Reise mit dem grossen Mobil gab es schon die eine oder andere Frage nach dem Anfahren, wie zum Beispiel: Ist die Wasserpumpe abgestellt? Ist die hintere Türe geschlossen? Die WC Türe verriegelt?… Das Highlight im negativen Sinn war, dass wir beim Weiterfahren nach einem Kaffeehalt gemerkt haben, dass der Slide Out nicht ganz eingefahren war. Unser Camper lässt sich mit einer nach links ausfahrbaren Einheit ein wenig vergrössern und natürlich gehört das zu den To Do’s vor der Abfahrt, diese Einheit wieder in die Ursprungsposition zurückzufahren. Zum Glück waren wir nur ein paar Meter so unterwegs und zum Glück war der Slide Out nur etwa 20 cm ausgefahren. Puhh!
Vor dem Abfahren haben wir noch ein kleines Schwätzchen mit unserem Nachbarn gehalten. Er hat uns Tips gegeben, wo wir dann in Nova Scotia ganz im Osten hinfahren müssten. Lunenburg war sein Geheimtipp. Eine andere Zufallsbekanntschaft unterwegs meinte, wir müssten in Halifax unbedingt Peggy’s Cove besichtigen, das sei das Schönste überhaupt in Halifax! Mal schauen, ob das eine oder das andere machbar ist…
Wir fahren von der Brown’s Clearwater West Lodge über die Strassennummer 622 Richtung Atikokan. Die Landschaft ist grandios. Seen, felsige Abschnitte aus von Gletschern rundgeschliffenen Granithügeln und Wälder wechseln sich ab. Wir sind fast alleine auf der Strasse, nur manchmal kreuzen uns grosse Trucks, richtig grosse! Diese fahren wie die Henker auf der nicht unbedingt sehr breiten und manchmal sehr holprigen geflickten Strasse.
Plötzlich, im Nirgendwo, steht ein grosser Fabrikschlot! Im Vorbeifahren gelingt mir auf den letzten Drücker eine Foto des ziemlich versteckten Fabrikgeländes. Eine kurze Internetrecherche später ist meine Neugier gestillt. Bei dieser Fabrik handelt es sich um die «Atikokan Generating Station». Sie gehört der «Ontario Power Generation» und ist das grösste mit Biomasse betriebene Kraftwerk in Nordamerika. Das Kraftwerk erzeugt Strom mit einer Leistung von bis zu 205 Megawatt und nutzt zu 100% Holzpellets aus der regionalen Forstwirtschaft. Jetzt machen auch die vielen Lastwagen auf dieser Strecke Sinn. Wir wunderten uns nämlich schon über die Häufung der entgegenkommenden Trucks. Die Holzpellets werden aus Sägemehl und Holzspänen von lokalen Sägewerken in Atikokan und Thunder Bay hergestellt und mit den Lastwagen direkt zum Kraftwerk gefahren.
Auf unserem Weg fahren wir an der Nordamerikanischen kontinentalen Wasserscheide vorbei, westlich davon fliesst das Wasser in den Pazifik, östlich davon in den Atlantik/Arktischen Ozean. Für eine Foto war Martin zu zügig unterwegs. Wir konnten nicht mehr anhalten, um die aufgestellte Tafel genauer zu studieren.
Unser Schlafplatz für heute ist ein wenig ungewöhnlich. Wir wollen in Thunder Bay zwei Nächte bleiben. Leider, oder wie auch immer, haben wir die Notizen meines Bruders falsch interpretiert. Wir sind statt auf dem Happy Land Campground in der Nähe der Kakabeka Falls auf dem Campground beim «Fort Williams Historical Park» gelandet. Ein neu angelegter Campground mit vielen Kanadagänsen drauf (und deren Hinterlassenschaften) erwartet uns. Die Dusche und die WCs sind in zwei kleinen Containern untergebracht. Zwar sauber, aber da besteht sicher noch Ausbaupotential...
In Fussdistanz befindet sich das David Thomson Astronomical Observatory. Das ist in Zentralkanada eines der grössten öffentlich zugänglichen Teleskope (20 Zoll Corrected Dall-Kirkham). Leider finden dort nur Führungen für aussergewöhnliche astronomische Ereignisse statt. Die morgen Mittag stattfindende partielle Sonnenfinsternis ist mit maximal 7.6% Sonnenabdeckung wirklich nicht so spektakulär. Online können wir das Ereignis miterleben.
Unser Tipp aus der Ferne:
Die Sonnenfinsternis kann heute Abend in Heiligkreuz beobachtet werden (www.sternwarte-oberberg.ch).