Frisches Gemüse und mehr …
Heute sind wir ausnahmsweise recht früh unterwegs, wenn halb zehn Uhr noch als früh durchgehen kann. Ich sage mal ja! Bis nämlich der Camper abfahrbereit ist, braucht es einige Handgriffe. Und die Abwaschmaschine ist trotz recht grossem Komfort in unserem Heim auf Rädern, noch nicht eingebaut. Handabwasch ist angesagt.
Unser nächstes Ziel ist Weyburn, aber diese Stadt erreichen wir bei weitem nicht. Wir fahren durch die weite Prärie von Süd Saskatchewan und machen unseren ersten Halt in Glentworth. Es ist ein ganz kleines schmuckes Dörfchen und aus dem Halt für einige Photos wird ein Mittagessen im «Royal Hotel»! Das «Kielke», die Ausprache haben wir nicht mehr präsent, ist ein traditionelles mennonitisches Essen in dieser Gegend. Viel Rahm an den Nudeln, gebratene Zwiebeln und eine hausgemachte Wurst dazu, uns hat es geschmeckt. Zum Glück haben wir uns eine Portion geteilt.
Die toughe ältere Lady, die Besitzerin des «Hotels», war sehr erstaunt, als wir ihr gesagt haben, dass dieses Gericht uns an die Älplermagronen zuhause erinnert hat.
Auf unsere Frage, ob es hier in der Gegend irgendwo frisches Gemüse vom Produzenten zu kaufen gibt, hat sie uns an die «Hutterer Colony» in Rockglen verwiesen. Nach etlichen Kilometern auf einer zwar geteerten, aber nicht unbedingt ebenen Strasse gelangen wir schaukelnd und rumpelnd nach Rockglen. Wir müssen zwar noch einmal ein paar Kilometer bis ins Dorf fahren, um zu wenden, weil wir die Abzweigung verpasst haben. Beim zweiten Anlauf klappt es dann und wir fahren über eine Gravelroad zu einer hypermodernen Farm. Wir sind erstaunt, weil wir etwas anderes erwartet haben. Auf der Einfahrt zur Farm fragen wir einen Mann in einem Pickup, ob wir hier frisches Gemüse kaufen können. Er verweist uns an den Head Gardener, der auf dem Weg in den Gemüsegarten ist.
Peter, der Chefgärtner der Colony ist umringt von einer Handvoll kleinerer Boys, die neugierig näher kommen, um uns ganz genau zu beäugen. Peter Kleinsasser, so ist sein Name, führt uns voller Stolz auf ein grosses Gemüsefeld, mindestens zweihundert Meter im Quadrat. Reihe um Reihe erklärt er uns seine Anbauten, was er wann gepflanzt hat, was gelungen ist, was nicht, wie die Witterung war. Wir sind scheinbar sehr interessante Gäste für ihn, und natürlich hilft es auch, dass wir aus der Schweiz kommen.
Peter führt uns in fast alle Gebäude der vor sechs Jahren neu errichteten Farm. Die Hutterer verwenden die modernste Technologie für ihren Landwirtschaftsbetrieb. Es gibt aber keine Handys in der Gemeinschaft. Peter sagt, die Handys oder auch der Fernseher würden die Gemeinschaft vom «rechten Weg» abbringen. Die Hutterer leben nach strengen Regeln, er sagt, «der Ordnung». Ein Abweichen von diesen Regeln wird nicht toleriert. So müssen auch alle Kinder in der Gemeinschaft Deutsch lernen. Peter ist der Deutschlehrer und mit fortschreitendem Gespräch fliesst immer mehr von diesem Deutsch ein.
Nach einer zweistündigen intensiven und sehr interessanten Begegnung verlassen wir vollgepackt mit frischem Gemüse die Hutterer Colony.
Jetzt brauchen wir zu unserem Glück nur noch einen Kaffee zu kaufen. Den finden wir im Co-oP in Assininboia. Auf dem nahe gelgenenen Assiniboia Regional Park finden wir einen Stellplatz.